07. November

07. November

supremeTest: Hadouken! – For The Masses

Bigger die Beats nie waren

Die Band: Wir schreiben das Jahr 2006. In Leeds machen sich der Producer, Sänger und Synthie-Guru James Smith und sein Kumpel und Gitarrist Daniel „Pilau“ Rice daran, „The Prodigy“ vom Rave-Thron zu stürzen. Dazu holen sie sich noch Smiths Freundin, Synth-Queen und Keyboarderin Alice Spooner, Christopher Purcell (Bass-Gitarre, Synthesizer) sowie den Drummer Nick Rice ins Boot. Gemeinsam kreieren sie eine energiegeladene Electro-Punk-Mischung, die das Beste aus Old-School-Rave, UK-Hardcore, Grime, Punkrock und Dubstep in sich vereint. Benannt hat sich die Bandsich übrigens nach dem Special-Moove „Hadouken“ aus der Videospiel-Serie „Street Fighter“, mit dem der Spieler einen heftigen Feuerball auslöst. 2008 erschien „Music For An Accelerated Culture“, ihr Debütalbum und sorgte unter Kritikern und Fans für Furore, denn Hadouken! Kombinierten gekonnt freche, den Zeitgeist kommentierende Texte mit harter, aber immer auch euphorisierender Musik. Damit leiteten sie auch das beginnende Ende des 80er-Jahre-Sound-Hypes ein.

Das vorliegende Album: Nach nicht einmal zwei Jahren veröffentlichten Hadouken! auch schon ihr zweites Werk „For The Masses“. Die Platte klingt noch härter, auch wenn das Quintett etwas Tempo aus den Songs genommen hat. Dafür zeigen sie nun mit Hilfe der holländischen Drum’n’Bass-Profis von Noisia, wie dreckig zum Beispiel eine Bassline klingen kann. Textlich haben sich Hadouken allerdings kaum weiter entwickelt: alles dreht sich ums kämpfen, feiern und generell ums unzufrieden sein – eben der Soundtrack zur Wirtschaftskrise in UK. Dennoch machen die zehn Tracks tierisch viel Spaß – schon der Opener „Rebirth“ zeigt, wohin die Reise geht: Ein pathetisch-orchestrales Intro baut sich langsam auf, bis den Magen zertrümmernde Bässe die Spannung lösen und in einen Justice-artigen Fidget House-Track überleiten. Hadouken erfinden sich zwar nicht neu, aber sie klingen nun erwachsener. Und auf Tracks wie „Bonbshock“ spielen sie gleichauf mit The Prodigy. Überhaupt klingt fast an jeder Ecke ein „Firestarter“ oder „No Good“ und bisweilen auch ein „Charly“ durch. Sie sind Fans und zeigen das auch.

Balladen sucht der Hörer hier vergebens, dafür aber einige etwas langsamere Four-To-The-Floor-Tracks wie das grandiose, an Basement Jaxx‘ „Where’s Your Head at?“ erinnernde „Mic Check“. Eine großartige Mischung aus frühen Prodigy, Fatboy Slim, Chemical Brothers und Nirvana-Einflüssen präsentieren Hadouken mit „Ugly“, einem Big Beat-Track erster Klasse. Da wundert es kaum, dass die Band auch gemeinsam mit Pendulum tourt – durch Tracks wie „Bombshock“ und „Play the Night“ ergänzen sich beide Projekte perfekt und garantieren dem Publikum einen, schweißdurchtränkten Power-Abend.

Fazit: „For The Masses“ richtet sich im besten Sinne an die ravenden Massen. So viel Energie komprimiert in zehn äußerst abwechslungsreich produzierten Tracks gab es zuletzt beim neusten The Prodigy-Album. Hadouken! produzieren ihre Tracks allerdings noch etwas dynamischer und respektloser, sodass sie mit diesem Album die Rave-Urväter überholt haben. Hadouken! Zitieren nicht nur den kreativ-durchgedrehten 90er-Rave-Sound sondern aktualisieren ihn erfolgreich mit modernem Grime, Dubstep und Fidget-House – Rave 2.0. Was man ihnen vielleicht vorwerfen kann, sind ihre zum Teil aggressiven Texte, die dumme Raver und Hooligans vielleicht auf falsche Ideen bringen könnten. Außerdem ist das Album viel zu kurz – aber der Nachfolger schon in Produktion. Das dritte Studioalbum soll bereits Anfang 2011 erscheinen. Wir sind gespannt und drehen erst mal „For The Masses“ viiiiiel LAUTER!!!!.

TestFacts: Hadouken! – For The Masses
 
Einzeltrackbewertung
1
Rebirth
9,5
2
Turn The Lights Out
8
3
M.A.D.
7,5
4
Evil
9
5
House Is Falling
9
6
Mic Check
9,5
7
Ugly
10
8
Bombshock
10
9
Play The Night
9,5
10
Lost
8
 
Reine Titelwertung:
9
 
 
 
Abzüge
Spielzeit unter 40 Minuten
-1
Boni
keine
 
 
 
 
Spielzeit
39:48 Minuten
Label
Surface Noise (Warner Music)
Release
26. Februar 2010
 
supremeWERTUNG
8*

*Die Wertung basiert auf der Einschätzung von: Mitja
Die Gesamtwertung ergibt sich aus dem Durchschnitt der einzelnen Titelwertungen. 0 = indiskutabel, 10 = ultimativ. Ergänzende Kriterien betreffen die Spielzeit:  <45 Min: -0,5 Punkte, <40 Min: -1 Punkt, >75 Min: +1 Punkt und Sonderausstattung (Videos, Bonusdatenträger, aufwändige Verpackung, usw.): mind. +0,5 Punkte

 

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